In neuem Licht ...

Mit dem Format "DorfART" möchte der FlotART – Kunst und Design im Flotwedel e. V. altbekannte dörfliche Merkmale künstlerisch interpretieren lassen und somit Betrachter anregen, diese typischen dörfliche Elemente in neuem Kontext zu sehen.

Auftakt dieser Reihe machte der international renommierte Pop-Art-Künstler Andora im Rahmen des FlotART Festes 2018.

Im Jahr darauf gestaltete Künstlerin Zoë MacTaggart ein zweiteiliges Werk: ein ausladendes Holztor nebst Dachschräge und umgebendem Mauerwerk sowie die Eingangstür der Alten Backstube Bröckel.

2018: Andora: "Lebe Deine Zeit und bestimme den Inhalt"

Adresse: Bröckel, Hauptstr. 42

"Lebe Deine Zeit und bestimme den Inhalt" – Dieser Wahlspruch des Pop-Art-Künstlers Andora ist gleichzeitig der Titel des ersten DorfART-Projektes in der Ortschaft Bröckel, das zur FlotART 2018 entstanden ist. Die Motive verkörpern Assoziationen des Künstlers mit dem Dorf und den hier lebenden Menschen.

Andora ist der wohl bekannteste deutsche Pop-Art-Künstler. Der gebürtige Ost-Berliner mit bürgerlichen Namen Andreas Hoge wurde 1980 nach West-Berlin ausgebürgert, studierte zunächst Sozialpädagogik, folgte aber schon bald seinen künstlerischen Ambitionen. Protegiert von Alfred Biolek erlangte Andora schnell großes Renommee. 1988 schließlich engagierte die Reemtsma AG den vitalen Künstler. Auftrag: Die Bemalung eines Formel 1-Rennwagens!

Seit jeher steht Andora auch für außergewöhnliche Projekte. Uhren, Bekleidung, Geweihe – kaum etwas entgeht des Meisters Farbenrausch. Zu seinen herausragenden Werken zählen dabei die Gestaltung eines Niedersachsen-Rosses anlässlich der EXPO 2000 sowie die Bemalung einer sowjetischen Träger-Rakete. Auch Fans der Hannoverschen Erfolgs-Band Fury In The Slaughterhouse kennen Andora (ohne es vielleicht zu wissen): Das Cover des Albums "The Color Fury" wurde von Andora kreiert. Zudem spielt Fury-Gitarrist Christof Stein-Schneider spielt mit Vorliebe von Andora gestaltete Instrumente.

Andora ist weit gereist, hat mehr als "nur" die halbe Welt gesehen. Nachvollziehbar, dass er zunächst zurückhaltend auf die Anfrage reagierte, seine Zelte für geraume Zeit in einem Dorf aufzuschlagen. Die Lust auf Neues jedoch überwog: Ein Scheunentor hatte selbst Andora bis dato noch nicht bemalt. Die kreative Arbeit erstreckte sich schließlich über mehrere Wochen, Arbeit unter extremen klimatischen Bedingungen. Die sengende Hitze des "Jahrhundertsommers 2018" war für Andora nicht nur körperlich eine Herausforderung. Auch die Arbeitsmaterialien blieben nicht von der Hitze verschont: Manche Farbe war schon trocken, bevor der Pinsel das Tor erreichte …

Der Künstler Andora hat mit seinem Werk dem Dorf Bröckel weithin sichtbar seinen Stempel aufgedrückt – und das Dorf Bröckel mit seinen weltoffenen Bewohnern hat auch Andora nicht unbeeindruckt gelassen. Seine anfängliche Skepsis dem Dorfleben gegenüber ist sehr schnell großer Begeisterung gewichen. "Bröckel ist für mich der Vorhof zum Paradies", wird der "Meester" nun nicht müde zu erzählen.

2019: Zoë MacTaggart: "Vorhof zum Himmel"

Adressen: Bröckel, Schulstr. 2 (Hof Thurmann) und Hauptstr. 75 / Auf der Westerheide (Alte Backstube)

„Vorhof zum Himmel“ – Zoë MacTaggart war Meisterschülerin von Andora, dem DorfART-Künstler des Vorjahres. In Anlehnung an ihres Meisters „Dorf-Erkenntnis“, dass Bröckel für ihn der Vorhof zum Paradies sei, hat ihr Werk diesen Titel bekommen, denn ihre Arbeit ist auch gleichzeitig Abschluss der dreijährigen Meister-Schülerin-Performance.

Die britisch-deutsche Malerin begeistert mit farbprächtigen Werken in ganz eigenem, unverkennbarem Stil. Nicht wenige Kunstinteressierte fühlen sich bei ihrer Maltechnik (so auch beim Betrachten ihres DorfART-Projekts) etwas an die Stilrichtung Pointillismus erinnert.

Treibende Kraft ihres Werkes sei, so die Künstlerin, Menschen mit dem unbedingten Willen zur Freiheit malerisch zu ergründen. Die Lebensenergie einzufangen, die Menschen inne wohnt, die allen Widerständen trotzt.

Ähnlich wie schon Andora im Vorjahr hatte auch Zoë MacTaggart bisweilen mit extremen Wetterwidrigkeiten zu kämpfen. Bei Temperaturen weit über 30 Grad wird jede Bewegung schnell zur Tortur, sodass die Arbeitszeiten gerade zu Beginn des DorfART-Projekt in den sehr frühen Morgen- und späten Abendstunden lagen.